Impfungen für Erwachsene: Welche Auffrischungen wirklich anstehen
Die kürzeste Antwort auf die Titelfrage: Tetanus und Diphtherie alle zehn Jahre auffrischen, einmal davon kombiniert mit Keuchhusten, dazu für viele nach 1970 Geborene eine Masernimpfung und ab 60 Grippe, Pneumokokken und Gürtelrose. Wer in einem FSME-Gebiet lebt oder Urlaub macht, braucht zusätzlich die Zeckenimpfung.

Klingt nach viel? In der Praxis reicht ein einziger Handgriff: den Impfpass zum nächsten Arzttermin mitnehmen und durchsehen lassen. Dieser Artikel zeigt vorab, worauf es dabei ankommt.
Warum haben gerade Erwachsene Impflücken?
Bei Kindern laufen Impfungen über feste Vorsorgetermine, bei Erwachsenen kümmert sich niemand automatisch. Auffrischungen geraten in Vergessenheit, Impfpässe verschwinden bei Umzügen, und manche Empfehlungen kamen erst hinzu, als die heutigen Erwachsenen längst aus dem Kindesalter heraus waren. Die Masernimpfung etwa wurde in Deutschland erst in den 1970er Jahren eingeführt.
Die Lücken sind messbar. Nach einer Auswertung des Robert Koch-Instituts von 2021 hatte nur etwa die Hälfte der Erwachsenen in Deutschland innerhalb der vorangegangenen zehn Jahre eine Tetanus-Diphtherie-Impfung erhalten. Die andere Hälfte war also nicht so geschützt, wie es die Ständige Impfkommission (STIKO) vorsieht.
Dazu kommt: Bestimmte Lebensereignisse ändern den Impfbedarf, ohne dass jemand daran erinnert. Eine neue chronische Diagnose kann zusätzliche Impfungen sinnvoll machen. Wer ein Enkelkind erwartet oder Angehörige pflegt, schützt mit dem eigenen Impfstatus auch andere. Und mit dem 60. Geburtstag kommen gleich mehrere Empfehlungen neu hinzu.
Für den DACH-Raum gilt: Die STIKO in Deutschland, der jährlich aktualisierte Impfplan Österreich und der Schweizerische Impfplan geben ähnliche, im Detail aber eigene Empfehlungen. Dieser Guide folgt als fachlicher Referenz der STIKO und nennt wichtige Abweichungen, wo sie bestehen.
Impfung für Impfung: Was wann ansteht
Zwei Begriffe helfen beim Lesen: Die Grundimmunisierung ist die erste Impfserie, die den Schutz aufbaut, meist in der Kindheit. Auffrischungen halten diesen Schutz später aufrecht, weil die Menge der Abwehrstoffe mit den Jahren sinkt. Manche Impfungen kommen im Erwachsenenalter auch komplett neu hinzu.
Tetanus und Diphtherie: der Zehn-Jahres-Klassiker
Die STIKO empfiehlt Erwachsenen mit abgeschlossener Grundimmunisierung eine Auffrischung alle zehn Jahre
Tetanus-Erreger leben im Erdboden, schon kleine Gartenverletzungen können genügen; gegen Tetanus gibt es zudem keinen Schutz durch die Impfung anderer, jeder braucht den eigenen
Der Anlass ist oft eine Verletzung: Nach Wunden prüft die Praxis den Impfstatus und frischt bei Bedarf auf
Wer die Grundimmunisierung nie erhalten hat oder es nicht weiß, kann sie in jedem Alter nachholen
Keuchhusten (Pertussis): einmal huckepack
Bei der nächsten fälligen Tetanus-Diphtherie-Auffrischung soll laut STIKO einmalig ein Dreifachimpfstoff mit Keuchhusten-Komponente (Tdap) verwendet werden
Hintergrund: Der Keuchhustenschutz aus der Kindheit lässt nach, und Erwachsene können Säuglinge anstecken, für die die Krankheit gefährlich ist
Für Schwangere gibt es eine eigene Empfehlung, sprechen Sie das in der Praxis an
Kinderlähmung (Polio): meist abgeschlossen, mit Ausnahmen
Nach vollständiger Grundimmunisierung und einer Auffrischung sieht die STIKO für Erwachsene keine routinemäßigen weiteren Polio-Impfungen vor
Aufgefrischt wird bei besonderem Risiko, etwa vor Reisen in Länder, in denen Polioviren noch zirkulieren
In Österreich wird Polio dagegen üblicherweise gemeinsam mit Diphtherie, Tetanus und Keuchhusten im Erwachsenenalter regelmäßig mitgeimpft, ein Beispiel dafür, wie sich die Länder im Detail unterscheiden
Masern: für viele nach 1970 Geborene
Die STIKO empfiehlt allen nach 1970 geborenen Erwachsenen eine einmalige Masernimpfung (als Kombination mit Mumps und Röteln, MMR), wenn sie nicht oder nur einmal geimpft wurden oder ihr Impfstatus unklar ist
Vor 1970 Geborene haben die Masern meist selbst durchgemacht und gelten in der Regel als geschützt
Masern sind keine harmlose Kinderkrankheit: Auch bei Erwachsenen kommen Komplikationen wie Lungen- oder Gehirnentzündungen vor
Für Menschen mit beruflichem Kontaktrisiko, etwa in Gesundheits- oder Gemeinschaftseinrichtungen, gelten strengere Vorgaben mit zwei Impfdosen
Grippe (Influenza): jedes Jahr ab 60
Die STIKO empfiehlt die jährliche Impfung im Herbst allen Menschen ab 60 Jahren, seit der Saison 2025/26 mit einem Hochdosis- oder einem wirkverstärkten Impfstoff
Ebenfalls empfohlen ist sie unter anderem bei chronischen Erkrankungen wie Diabetes, Herz- oder Lungenleiden sowie für Schwangere und Menschen mit viel Kontakt zu Risikogruppen
Da sich die Grippeviren ständig verändern, muss die Impfung jede Saison erneuert werden
Pneumokokken: einmalig ab 60
Pneumokokken sind Bakterien, die schwere Lungenentzündungen und Blutvergiftungen auslösen können
Die STIKO empfiehlt allen Menschen ab 60 Jahren eine einmalige Impfung mit einem modernen Konjugatimpfstoff (PCV20)
Wer früher bereits einen älteren Pneumokokken-Impfstoff erhalten hat, sollte den Abstand zur neuen Impfung in der Praxis klären lassen
Bei bestimmten Grunderkrankungen wird die Impfung auch schon vor 60 empfohlen
Gürtelrose (Herpes zoster): zwei Dosen ab 60
Die Gürtelrose entsteht durch reaktivierte Windpockenviren und kann monatelange Nervenschmerzen hinterlassen; nach Angaben des RKI erkrankt etwa jeder dritte Mensch im Laufe des Lebens daran
Die STIKO empfiehlt allen Menschen ab 60 Jahren die Impfung mit einem Totimpfstoff, verabreicht in zwei Dosen im Abstand von mindestens zwei Monaten
Für Menschen mit erhöhtem Risiko, etwa durch eine Immunschwäche oder schwere chronische Erkrankungen, gilt die Empfehlung nach aktueller Fassung bereits ab 18 Jahren
Der Nutzen ist doppelt: weniger Gürtelrose-Erkrankungen und weniger der gefürchteten anhaltenden Nervenschmerzen
FSME: bei Zeckenkontakt im Risikogebiet, in Österreich generell
Die Frühsommer-Meningoenzephalitis ist eine durch Zecken übertragene Virusinfektion, die Hirnhäute und Gehirn entzünden kann
In Deutschland empfiehlt die STIKO die Impfung allen, die in Risikogebieten Kontakt zu Zecken haben können; das RKI weist mit Stand Januar 2026 insgesamt 185 Risikogebiete aus, vor allem in Bayern und Baden-Württemberg, aber auch in weiteren Bundesländern
In Österreich ist die Lage anders: Praktisch das ganze Land gilt als Verbreitungsgebiet, der Impfplan Österreich empfiehlt die FSME-Impfung daher generell
Nach der Grundimmunisierung folgen Auffrischungen in mehrjährigen Abständen, je nach Alter und Impfstoff meist alle drei bis fünf Jahre
Auch ein Urlaub im Risikogebiet kann ein Impfgrund sein, planen Sie die Impfserie rechtzeitig
Gegen die ebenfalls von Zecken übertragene Borreliose schützt die Impfung nicht, achtsames Absuchen nach Zeckenkontakt bleibt deshalb wichtig
HPV: das Thema für junge Erwachsene
Humane Papillomviren können Gebärmutterhalskrebs und weitere Krebsarten auslösen, die Impfung schützt am besten vor dem ersten Kontakt mit den Viren
Die STIKO empfiehlt die Impfung für Mädchen und Jungen von 9 bis 14 Jahren, versäumte Impfungen sollen bis zum 18. Geburtstag nachgeholt werden
Für Erwachsene spricht die STIKO keine Standardempfehlung aus; eine Impfung kann im Einzelfall trotzdem sinnvoll sein und gehört in ein ärztliches Beratungsgespräch
Der Impfplan Österreich fasst die Zielgruppe weiter und nennt die Impfung auch für junge Erwachsene

Deutschland, Österreich, Schweiz: dieselbe Richtung, andere Details
Die Grundlogik ist in allen drei Ländern gleich: Auffrischungen gegen Tetanus und Diphtherie im Erwachsenenalter, Nachholimpfungen gegen Masern, zusätzliche Impfungen für Ältere und Risikogruppen. Unterschiede stecken in Intervallen, Altersgrenzen und Sonderempfehlungen. FSME ist das auffälligste Beispiel, die Polio-Auffrischung und die Zielgruppen der HPV-Impfung sind weitere.
In Deutschland spricht die Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut die Empfehlungen aus, veröffentlicht als jährlich aktualisierter Impfkalender. In Österreich übernimmt das der Impfplan Österreich des Gesundheitsministeriums, der jedes Jahr neu erscheint. In der Schweiz gibt das Bundesamt für Gesundheit zusammen mit der Eidgenössischen Kommission für Impffragen den Schweizerischen Impfplan heraus.
Verbindlich ist am Ende die Beratung in Ihrer Arztpraxis vor Ort. Sie kennt die Empfehlungen Ihres Landes und Ihre persönliche Situation, von Vorerkrankungen bis zu Reiseplänen.
Reisen: der zweite gute Impfanlass
Neben dem Impfpass-Check beim Routinetermin ist eine geplante Reise der klassische Moment, um Lücken zu schließen. Reisemedizinische Beratungen prüfen zuerst die Standardimpfungen, denn Tetanus, Diphtherie oder Masern reisen mit, ganz gleich wohin es geht. Erst danach kommen Reiseimpfungen wie Hepatitis A oder Typhus ins Spiel.
Planen Sie das früh genug. Manche Impfserien brauchen mehrere Dosen über Wochen, ein Termin vier bis acht Wochen vor Abflug ist deshalb sinnvoll. Auch die FSME-Grundimmunisierung vor einem Wander- oder Österreichurlaub braucht Vorlauf, ein Schnellschema ist nur bedingt ein Ersatz.
So wird der Impfpass-Check konkret
Suchen Sie Ihren Impfpass. Falls er unauffindbar ist: Frühere Praxen dokumentieren Impfungen und können Auskunft geben.
Nehmen Sie ihn zum nächsten ohnehin geplanten Termin mit, ein eigener Termin ist selten nötig. Der Abgleich dauert wenige Minuten: Die Praxis prüft Grundimmunisierungen, das Datum der letzten Tetanus-Auffrischung und die altersabhängigen Impfungen, die für Sie neu anstehen.
Gilt eine Impfung als fehlend oder unklar, wird im Zweifel geimpft. Zusätzliche Impfdosen sind nach ärztlicher Einschätzung in aller Regel unproblematisch, fehlender Schutz dagegen nicht.
Notieren Sie sich das Jahr der nächsten Tetanus-Auffrischung, etwa im Kalender Ihres Telefons. Zehn Jahre sind eine lange Zeit zum Vergessen.
Häufige Fragen
Mein Impfpass ist weg. Muss ich alle Impfungen neu beginnen? Nein. Dokumentierte Impfungen zählen weiter, auch wenn sie lange zurückliegen. Was sich nicht belegen lässt, gilt als nicht erfolgt und wird nachgeholt, angefangene Serien werden fortgesetzt statt neu gestartet.
Zählen Impfungen, die ich im Ausland erhalten habe? Ja. Eine dokumentierte Impfung gilt unabhängig davon, wo sie gegeben wurde. Bringen Sie den ausländischen Nachweis mit, die Praxis trägt die Impfung in Ihren Impfpass nach.
Kann ich mehrere Impfungen an einem Termin bekommen? Ja, das ist üblich und spart Wege. Grippe- und Pneumokokken-Impfung etwa können nach Angaben des RKI beim selben Termin gegeben werden. Was kombiniert wird, entscheidet die Praxis.
Ich hatte eine Verletzung. Brauche ich sofort eine Tetanus-Impfung? Das hängt von der Wunde und Ihrem Impfstatus ab. Lassen Sie verschmutzte oder tiefere Wunden ärztlich beurteilen, dort wird der Tetanusschutz routinemäßig geprüft und bei Bedarf noch am selben Tag aufgefrischt.
Sind Auffrischungen auch nach vielen Jahren Verspätung sinnvoll? Ja. Ein verpasster Termin ist kein verlorener Schutz für immer. Die Impfung wird einfach nachgeholt, ein Neustart der Grundimmunisierung ist dafür normalerweise nicht nötig.
Lohnen sich Impfungen im höheren Alter überhaupt noch? Gerade dann. Das Immunsystem reagiert im Alter träger, und Infektionen wie Grippe, Lungenentzündung oder Gürtelrose verlaufen häufiger schwer. Deshalb richten sich mehrere Empfehlungen, von der Grippe- bis zur Gürtelrose-Impfung, gezielt an Menschen ab 60.
Der einfachste nächste Schritt: Impfpass einstecken und beim kommenden Praxisbesuch prüfen lassen. Sie sind unsicher, welche Auffrischung bei Ihnen ansteht? Im Forum von beemy können Sie Ihre Frage stellen und Erfahrungen anderer nachlesen.
Quellen
Schutzimpfung gegen Tetanus: häufig gestellte Fragen (RKI, abgerufen 2026)
Schutzimpfung gegen Masern: Impfempfehlung und Umsetzung (RKI, 2026)
Schutzimpfung gegen Pneumokokken: Impfempfehlung (RKI, 2026)
Schutzimpfung gegen Herpes zoster (Gürtelrose): Impfempfehlung (RKI, 2025)
Schutzimpfung gegen Humane Papillomviren (HPV): Impfempfehlung (RKI, 2025)
Dieser Artikel informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche Diagnose oder Behandlung. Bei akuten Beschwerden wenden Sie sich an eine Arztpraxis oder den Notdienst. Illustration: mit KI generiert.

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