Muttermal-Check: Die ABCDE-Regel und wann Sie zum Hautarzt sollten
Mit der ABCDE-Regel prüfen Sie jedes Muttermal auf fünf Merkmale: Asymmetrie, Begrenzung, Colorierung, Durchmesser und Entwicklung. Fällt ein Mal bei einem dieser Punkte auf oder verändert es sich, sollte eine Hautärztin oder ein Hautarzt es ansehen. Mehr brauchen Sie für den ersten Check nicht.

Der regelmäßige Blick auf die eigene Haut lohnt sich. Schwarzer Hautkrebs wächst oft über Monate, bevor er gefährlich wird. Wer seine Muttermale kennt, bemerkt Veränderungen früh. Genau dann sind die Aussichten am besten.
Warum sich der Muttermal-Check lohnt
Das maligne Melanom, umgangssprachlich schwarzer Hautkrebs, ist in Deutschland häufig. Im Jahr 2023 erkrankten nach Angaben des Zentrums für Krebsregisterdaten am Robert Koch-Institut rund 27.430 Menschen daran, Frauen und Männer etwa gleich oft.
Die gute Nachricht steckt in einer zweiten Zahl: Etwa 67 Prozent aller Melanome werden in einem frühen Tumorstadium entdeckt. Früh erkannt, lässt sich ein Melanom meist mit einem kleinen Eingriff entfernen. Die relative 5-Jahres-Überlebensrate liegt in Deutschland bei 96 Prozent für Frauen und 94 Prozent für Männer, gerade weil so viele Tumoren früh auffallen.
Diese Statistik ist der Grund für den Muttermal-Check. Niemand kennt Ihre Haut so gut wie Sie selbst. Zwischen zwei Terminen in der Hautarztpraxis sind Sie es, der eine Veränderung zuerst sehen kann.
Manche Menschen sollten dabei besonders aufmerksam sein. Das Melanomrisiko ist erhöht bei heller, sonnenempfindlicher Haut, bei sehr vielen oder ungewöhnlich geformten Muttermalen, nach wiederholten Sonnenbränden vor allem in der Kindheit sowie bei Melanomfällen in der nahen Verwandtschaft. Wer sich hier wiedererkennt, profitiert doppelt: von der Selbstuntersuchung und von konsequentem Sonnenschutz, denn UV-Strahlung gilt als wichtigster beeinflussbarer Risikofaktor.
Die ABCDE-Regel Schritt für Schritt
Die Regel stammt aus der Dermatologie und wird dort seit Jahrzehnten gelehrt, weil sie die typischen Auffälligkeiten eines Melanoms in eine einfache Reihenfolge bringt. Prüfen Sie jedes Pigmentmal nacheinander auf die fünf Buchstaben. Ein einzelnes zutreffendes Kriterium bedeutet nicht automatisch Krebs. Es bedeutet: abklären lassen. Je mehr Buchstaben zutreffen, desto dringlicher ist der Termin.
A wie Asymmetrie
Harmlose Muttermale sind meist rund oder oval aufgebaut. Stellen Sie sich eine Linie durch die Mitte vor. Sind beide Hälften ungefähr spiegelbildlich? Dann spricht das für ein gutartiges Mal. Wirkt die Form dagegen ungleichmäßig, verzogen oder ausgefranst, gilt das Mal als asymmetrisch und damit als auffällig.
B wie Begrenzung
Schauen Sie auf den Rand. Ein unauffälliges Muttermal ist scharf von der umgebenden Haut abgegrenzt, wie mit einem feinen Stift gezogen. Verdächtig ist das Gegenteil: ein Rand, der fransig, zackig, verwaschen oder unscharf in die gesunde Haut ausläuft. Auch kleine Ausläufer, die wie Zungen ins Umfeld reichen, zählen dazu.
C wie Colorierung
Das C steht für die Farbe. Gutartige Male sind in der Regel gleichmäßig hellbraun bis dunkelbraun gefärbt. Auffällig wird es, wenn ein Mal mehrere Farbtöne mischt: helle und dunkle Braunzonen, dazu schwarze, rötliche, graue oder fast weiße Anteile. Auch eine Farbe, die sich sichtbar verändert hat, gehört in diese Kategorie.
D wie Durchmesser
Messen Sie im Zweifel nach. Ein Pigmentmal mit mehr als 5 Millimetern Durchmesser an der breitesten Stelle verdient einen genaueren Blick. Größe allein macht kein Melanom, viele große Male sind harmlos. In Kombination mit einem weiteren Kriterium wiegt sie aber schwerer.
E wie Entwicklung
Der wichtigste Buchstabe im Alltag. Verändert sich ein Mal, wächst es, wölbt es sich neu über das Hautniveau, wird es rau oder schuppig? Beginnt es zu jucken, zu nässen, zu bluten oder Schorf zu bilden? Jede erkennbare Entwicklung innerhalb von Wochen bis Monaten ist ein Grund für einen Termin, unabhängig von Form, Farbe und Größe.
Das hässliche Entlein: der Vergleich mit den Nachbarn
Neben der ABCDE-Regel hilft ein zweiter Blickwinkel. Die meisten Muttermale eines Menschen ähneln einander, sie stammen sozusagen aus derselben Familie. Ein Melanom tanzt oft aus der Reihe. In der Dermatologie heißt dieses Muster das Zeichen des hässlichen Entleins.
Suchen Sie also nicht nur nach einzelnen auffälligen Merkmalen. Vergleichen Sie jedes Mal mit seinen Nachbarn. Ist eines deutlich dunkler, heller, größer oder anders strukturiert als alle übrigen, sollte genau dieses Mal ärztlich beurteilt werden, selbst wenn es für sich genommen unspektakulär wirkt.
Wie untersuchen Sie sich selbst am besten?
Nehmen Sie sich etwa zehn Minuten Zeit, am besten bei Tageslicht nach dem Duschen. Sie brauchen einen großen Spiegel, einen Handspiegel und im Idealfall eine zweite Person.
Systematisch von oben nach unten: Beginnen Sie am Kopf und arbeiten Sie sich abschnittsweise bis zu den Füßen vor. So übersehen Sie nichts.
Die vergessenen Stellen: Kopfhaut (Haare scheiteln oder föhnen), Ohren, Rücken, Gesäß, Intimbereich, die Haut zwischen Fingern und Zehen sowie die Fußsohlen. Genau dort bleiben Male am längsten unbemerkt.
Handspiegel und Partner: Rücken und Hinterkopf sehen Sie nur über zwei Spiegel. Einfacher ist es, wenn Partnerin oder Partner diese Zonen übernimmt.
Fotos als Gedächtnis: Fotografieren Sie auffällige oder große Male mit dem Smartphone, mit einem Lineal oder einer Münze daneben als Größenvergleich. Beim nächsten Check zeigt der Vergleich sofort, ob sich etwas verändert hat.
Wie oft? Eine starre Vorgabe gibt es nicht. Fachinformationen raten zu regelmäßigen Selbstuntersuchungen; ein fester Rhythmus, etwa alle vier bis acht Wochen, ist leicht durchzuhalten und reicht aus, um Entwicklungen zu bemerken. Nach intensiven Sonnenmonaten wie jetzt im Spätsommer ist ein Durchgang besonders sinnvoll.
Denken Sie auch an die Nägel. Ein neuer dunkler Längsstreifen unter einem Finger- oder Zehennagel kann harmlos sein, gehört aber ebenfalls in ärztliche Beurteilung, denn Melanome können auch dort entstehen. Gleiches gilt für dunkle Flecken an Lippen oder Schleimhäuten.
Die Selbstuntersuchung ersetzt die hautärztliche Kontrolle nicht. Wer viele Muttermale hat, hellhäutig ist, häufige Sonnenbrände hinter sich hat oder Hautkrebsfälle in der Familie kennt, sollte die Abstände für Kontrolltermine direkt in der Praxis besprechen. Dort stehen zudem Verfahren zur Verfügung, die zu Hause fehlen: das Auflichtmikroskop macht Pigmentstrukturen sichtbar, und eine Videodokumentation kann viele Male über Jahre vergleichbar festhalten.
Wann Sie sofort zum Hautarzt sollten
Vereinbaren Sie zeitnah einen Termin und warten Sie nicht auf den nächsten Routine-Check, wenn einer dieser Punkte zutrifft:
Ein Muttermal blutet, nässt oder bildet wiederholt Schorf, ohne dass Sie sich verletzt haben.
Ein Mal juckt, brennt oder schmerzt über mehrere Tage.
Ein Mal ist in wenigen Wochen sichtbar gewachsen oder hat Form oder Farbe verändert.
Im Erwachsenenalter taucht ein neuer, schnell wachsender dunkler Fleck auf.
Unter einem Finger- oder Zehennagel zeigt sich ein neuer dunkler Streifen, der nicht von einer Prellung stammt.
Eine kleine Wunde oder wunde Stelle heilt über Wochen nicht ab.
Ein Mal erfüllt mehrere ABCDE-Kriterien gleichzeitig oder sticht als hässliches Entlein hervor.
Keiner dieser Punkte beweist einen Tumor. Viele Veränderungen entpuppen sich als harmlos, etwa als gereizte Alterswarze. Die Unterscheidung gehört aber in fachliche Hände, meist genügt dafür ein kurzer Blick mit dem Auflichtmikroskop.
Häufige Fragen zum Muttermal-Check
Kann aus jedem Muttermal ein Melanom werden?
Nein. Die meisten Muttermale bleiben ein Leben lang harmlos. Melanome können zudem auf zuvor unauffälliger Haut neu entstehen, nicht nur aus bestehenden Malen. Deshalb zählt beim Check die ganze Haut, nicht nur die bekannten Flecken.
Sind erhabene Muttermale automatisch verdächtig?
Nicht grundsätzlich. Viele gutartige Male sind seit Jahren leicht erhaben und bleiben stabil. Auffällig ist eine neue Erhabenheit: wenn ein bisher flaches Mal zu wachsen beginnt, sich vorwölbt oder eine raue Oberfläche entwickelt.
Was passiert beim Hautarzt mit einem auffälligen Mal?
Zuerst folgt die Untersuchung mit dem Dermatoskop, einer beleuchteten Lupe. Bleibt das Mal verdächtig, wird es in örtlicher Betäubung entfernt und im Labor untersucht. Der Eingriff dauert meist nur Minuten und ist ambulant möglich.
Hilft eine App zur Muttermal-Analyse?
Apps können beim Dokumentieren und Erinnern nützlich sein. Eine verlässliche Diagnose liefern sie nach heutigem Stand nicht. Ein auffälliges Mal gehört trotz beruhigender App-Einschätzung in die Praxis.
Sollte ich harmlose Muttermale vorsorglich entfernen lassen?
Dafür gibt es aus medizinischer Sicht meist keinen Grund. Unauffällige Male sind kein Risiko, und die Entfernung hinterlässt eine Narbe. Anders sieht es aus, wenn ein Mal ständig gereizt wird, etwa am Hosenbund oder unter dem BH-Träger, oder wenn es die ärztliche Beurteilung erschwert. Das lässt sich im Kontrolltermin klären.
Sie haben ein Mal entdeckt, das Sie beunruhigt, und wollen wissen, wie dringend die Abklärung ist? Im Forum von beemy beantworten Fachleute solche Fragen. Für die Beurteilung selbst braucht es immer den Blick durch das Dermatoskop in einer Praxis.
Quellen
Zentrum für Krebsregisterdaten am RKI: Malignes Melanom der Haut (Datenstand 2023)
Krebsinformationsdienst des DKFZ: Hautkrebs erkennen (abgerufen 2026)
Krebsinformationsdienst des DKFZ: Hautkrebsscreening und Hautkrebs-Früherkennung (abgerufen 2026)
gesundheitsinformation.de (IQWiG): Wie lässt sich schwarzer Hautkrebs erkennen? (abgerufen 2026)
ONKO-Internetportal der Deutschen Krebsgesellschaft: Hautkrebs-Früherkennung (abgerufen 2026)
AWMF: S3-Leitlinie Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Melanoms, Registernummer 032-024OL
Aktuelle Dermatologie (Thieme): „Hässliches-Entlein“-Zeichen verbessert Melanom-Erkennung (2017)
Dieser Artikel informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche Diagnose oder Behandlung. Bei akuten Beschwerden wenden Sie sich an eine Arztpraxis oder den Notdienst. Illustration: mit KI generiert.

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