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Panikattacke: Was im Moment hilft und wann professionelle Hilfe nötig ist

vor 1 Tag
6 Min. Lesezeit

Wenn Sie gerade Herzrasen, Atemnot und Todesangst spüren, hilft vor allem dreierlei: bleiben, wo Sie sind, länger aus- als einatmen und die Aufmerksamkeit nach außen richten. Eine Panikattacke erreicht ihren Höhepunkt innerhalb weniger Minuten und klingt nach etwa 10 bis 20 Minuten von selbst ab. Sie ist extrem unangenehm, aber nicht gefährlich.


Junge Frau sitzt auf einer Parkbank, hält eine Hand auf den Brustkorb und atmet bewusst ruhig aus

Erste Hilfe: Diese Schritte helfen jetzt

  1. Bleiben Sie am Ort. Der Impuls zu flüchten ist stark. Wer ihm nachgibt, lernt aber unbewusst: Die Situation war gefährlich. Bleiben Sie, wenn irgend möglich, bis die Welle abklingt. Setzen Sie sich hin, lehnen Sie sich an.

  2. Verlängern Sie die Ausatmung. Atmen Sie ruhig durch die Nase ein, etwa vier Sekunden, und doppelt so lange durch den Mund wieder aus. Die lange Ausatmung kann das vegetative Nervensystem beruhigen. Vermeiden Sie hastiges, tiefes Luftholen: Diese Überatmung verstärkt Schwindel und Kribbeln oft noch.

  3. Erden Sie sich mit der 5-4-3-2-1-Übung. Benennen Sie fünf Dinge, die Sie sehen, vier, die Sie hören, drei, die Sie körperlich spüren, zwei, die Sie riechen, und eines, das Sie schmecken. Die Übung holt die Aufmerksamkeit aus dem Körper zurück in die Umgebung.

  4. Benennen Sie, was passiert. Sagen Sie sich innerlich: Das ist eine Panikattacke. Mein Körper schlägt Fehlalarm. Das ist unangenehm, es geht vorbei. Dieses Einordnen nimmt der Angst einen Teil ihrer Wucht.

  5. Lockern Sie den Körper. Senken Sie die Schultern, öffnen Sie die Fäuste, spannen Sie einzelne Muskelgruppen kurz an und lassen Sie wieder los. Anspannung füttert die Alarmreaktion, Lockerung dämpft sie.

  6. Machen Sie danach normal weiter. Sagen Sie nichts ab, meiden Sie den Ort nicht. Jede vermiedene Situation macht die nächste Attacke wahrscheinlicher.


Falls Sie gerade jemand anderen durch eine Panikattacke begleiten: Bleiben Sie da, sprechen Sie ruhig und in kurzen Sätzen, und atmen Sie hörbar langsam mit. Sätze wie "Das geht vorbei, ich bleibe bei dir" helfen mehr als jede Diskussion. Vermeiden Sie Vorwürfe und Bagatellisierungen, die Angst ist für die Betroffenen in diesem Moment real.


Warum ist eine Panikattacke nicht gefährlich?

Eine Panikattacke ist eine Alarmreaktion des Körpers zur falschen Zeit. Das Stresssystem schüttet Adrenalin aus, als stünde eine echte Gefahr bevor. Herzrasen, Brustenge, Luftnot, Schwindel, Schwitzen, Zittern: All das sind Zeichen eines Körpers, der auf Flucht oder Kampf umschaltet, nicht Zeichen eines versagenden Herzens.


Das Portal gesundheitsinformation.de des IQWiG beschreibt, dass Panikattacken oft mit einem Herzinfarkt verwechselt werden und meist 10 bis 20 Minuten dauern. Auch das Gefühl, neben sich zu stehen oder nicht ganz da zu sein, kommt vor. Es ist ebenso vorübergehend wie die körperlichen Beschwerden. Kein einziger dieser Vorgänge schädigt Herz oder Gehirn.


Viele Betroffene entwickeln nach den ersten Attacken eine Angst vor der Angst. Genau diese Erwartungsangst hält das Problem am Laufen. Sie zu durchbrechen ist das Ziel jeder Behandlung.


Was löst Panikattacken aus?

Einen einzelnen Auslöser gibt es selten. Attacken treten oft in belastenden Lebensphasen zum ersten Mal auf, etwa nach Verlusten, bei Dauerstress oder Überlastung. Auch eine familiäre Veranlagung spielt nach heutigem Wissen eine Rolle.


Dazu kommen körperliche Verstärker. Schlafmangel, viel Koffein, Alkohol und sein Abbau in der Nacht oder ein Infekt können die Schwelle senken, ab der das Alarmsystem anspringt. Manche Attacken beginnen sogar aus dem Schlaf heraus. Das wirkt beängstigend, folgt aber demselben harmlosen Mechanismus wie am Tag.


Oft reicht schon eine harmlose Körperempfindung als Startsignal: ein Herzstolpern nach dem Treppensteigen, ein kurzer Schwindel beim Aufstehen. Wer solche Signale ängstlich beobachtet, verstärkt sie, und die Spirale beginnt. Genau an dieser Fehldeutung setzt später die Therapie an.


Wann Sie sofort Hilfe brauchen

Bei aller Entwarnung gilt eine klare Ausnahme: Herzinfarkt und Panikattacke können sich ähneln, und niemand muss das selbst auseinanderhalten. Rufen Sie den Notruf (112, in der Schweiz 144) bei diesen Warnzeichen:


  • Brustschmerz oder Druckgefühl tritt zum ersten Mal auf, besonders mit Ausstrahlung in Arm, Rücken, Hals oder Kiefer

  • Die Beschwerden halten deutlich länger als 20 Minuten an oder werden immer stärker

  • Dazu kommen kalter Schweiß, Übelkeit, Atemnot in Ruhe oder ein Engegefühl, das Sie so nicht kennen

  • Sie werden ohnmächtig, oder es treten Lähmungen, Sprach- oder Sehstörungen auf

  • Sie haben Gedanken, sich etwas anzutun


Hier gilt ausdrücklich: lieber einmal zu viel den Notruf wählen als einmal zu wenig. Auch ohne Notfall sollten die Beschwerden nach einer ersten Attacke ärztlich abgeklärt werden, etwa mit EKG und Blutwerten. Erst wenn Herz, Schilddrüse und andere Ursachen geprüft sind, steht die Diagnose Panikattacke auf sicherem Boden.


Ab wann sprechen Fachleute von einer Panikstörung?

Einzelne Panikattacken sind verbreitet und noch keine Erkrankung. Von einer Panikstörung sprechen Fachleute, wenn Attacken wiederholt und aus heiterem Himmel auftreten und Betroffene über Wochen in Sorge vor der nächsten Attacke leben oder ihr Verhalten deshalb ändern.


Die Panikstörung gehört zu den häufigeren psychischen Erkrankungen. Nach den Daten der Bevölkerungsstudie DEGS1-MH, die die Fachgesellschaft DGPPN in ihren Basisdaten aufführt, sind innerhalb eines Jahres etwa 2 von 100 Erwachsenen in Deutschland von einer Panikstörung betroffen, Frauen häufiger als Männer. Oft kommt eine Agoraphobie dazu: die Angst vor Orten, an denen im Fall einer Attacke schwer zu entkommen wäre, etwa Menschenmengen, Busse oder Aufzüge.


Der Motor dahinter ist die Vermeidung. Sie wirkt kurzfristig wie ein Ausweg und ist langfristig der stärkste Verstärker der Störung. Wer den Supermarkt meidet, fühlt sich zunächst erleichtert. Das Gehirn speichert aber: Der Supermarkt war die Gefahr, das Weggehen die Rettung. Beim nächsten Mal schlägt der Alarm früher an, und der Radius wird kleiner.


So ziehen sich manche Betroffene Schritt für Schritt zurück, bis Alltagswege kaum noch möglich sind. Die Umkehrung dieses Kreislaufs, also das gestufte Aufsuchen gefürchteter Situationen, ist deshalb ein zentraler Baustein der Therapie.


Welche Behandlung hilft bei wiederkehrenden Attacken?

Die S3-Leitlinie zur Behandlung von Angststörungen empfiehlt bei der Panikstörung an erster Stelle die kognitive Verhaltenstherapie (KVT). Ein Cochrane-Review von 2016 kam zu dem Ergebnis, dass psychologische Therapien wirksamer sind als keine Behandlung, mit Hinweisen auf kurzfristige Vorteile der KVT gegenüber anderen Gesprächsverfahren.


Wie sieht das praktisch aus? Am Anfang steht Wissen: verstehen, was bei einer Attacke im Körper passiert. Dann folgen Übungen, in denen die gefürchteten Empfindungen gezielt hervorgerufen werden, etwa Herzklopfen durch schnelles Treppensteigen oder Schwindel durch Drehen auf einem Stuhl. So erlebt das Gehirn: Diese Signale sind auszuhalten und ungefährlich. Schließlich werden gemiedene Situationen Schritt für Schritt wieder aufgesucht, begleitet und geplant.


Auch Medikamente können eine Rolle spielen. Die Leitlinie nennt bestimmte Antidepressiva (SSRI und SNRI) als Option, etwa wenn eine Psychotherapie nicht verfügbar ist oder nicht ausreicht. Ob und was infrage kommt, gehört in ein ärztliches Gespräch. Beruhigungsmittel vom Benzodiazepin-Typ sehen die Leitlinien wegen des Abhängigkeitsrisikos kritisch, sie sind keine Dauerlösung.


Die Aussichten sind gut. Eine Panikstörung zählt zu den Angsterkrankungen, die auf Behandlung meist deutlich ansprechen. Je früher sie beginnt, desto weniger kann sich Vermeidung verfestigen.


Was Sie zwischen den Attacken selbst tun können:


  • Bewegen Sie sich regelmäßig. Die Leitlinie nennt Ausdauertraining als ergänzende Maßnahme, etwa dreimal pro Woche zügiges Gehen, Radfahren oder Laufen. Sport kann zudem das Vertrauen in den eigenen Körper zurückbringen.

  • Prüfen Sie Koffein und Alkohol. Beide können Attacken begünstigen. Ein mehrwöchiger Versuch mit weniger Kaffee, Energydrinks und Alkohol zeigt, ob es Ihnen damit besser geht.

  • Achten Sie auf Schlaf und Pausen. Ein übermüdetes Nervensystem schlägt schneller Alarm.

  • Lernen Sie ein Entspannungsverfahren. Progressive Muskelentspannung oder Atemübungen lassen sich in Kursen oder mit Anleitungen erlernen und wirken am besten, wenn sie regelmäßig geübt werden, nicht erst im Notfall.

  • Suchen Sie Austausch. Selbsthilfegruppen für Menschen mit Angsterkrankungen entlasten und liefern erprobte Alltagstricks.


Diese Schritte ersetzen keine Behandlung, sie unterstützen sie. Bleiben die Attacken trotzdem, ist das kein persönliches Versagen, sondern ein Grund für professionelle Hilfe.


Hilfe in der Krise, rund um die Uhr

  • Notruf bei akuter Gefahr: 112 in Deutschland und Österreich, 144 in der Schweiz

  • Telefonseelsorge Deutschland: 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222, kostenfrei

  • Telefonseelsorge Österreich: 142

  • Die Dargebotene Hand, Schweiz: 143

  • Psychiatrische Ambulanzen nehmen Sie auch nachts und ohne Termin an


Wiederkehrende Panikattacken sind gut behandelbar, der erste Schritt ist ein Gespräch. In einer akuten Krise finden Sie über die psychiatrischen Notdienste auf beemy Anlaufstellen in Ihrer Nähe, und im Forum können Sie Ihre Fragen stellen, bevor Sie einen Termin vereinbaren.


Quellen


Dieser Artikel informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche Diagnose oder Behandlung. Bei akuten Beschwerden wenden Sie sich an eine Arztpraxis oder den Notdienst. Illustration: mit KI generiert.

 
 
 

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