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Erkältung, Grippe oder Corona: So halten Sie die Symptome auseinander

8. Okt.
6 Min. Lesezeit

Die schnellste Orientierung liefert der Beginn: Eine Erkältung schleicht sich über ein bis zwei Tage mit Halskratzen und Schnupfen heran, eine echte Grippe legt oft innerhalb weniger Stunden einen Schalter um, mit hohem Fieber und Gliederschmerzen. Corona liegt seit den Omikron-Varianten häufig dazwischen und ähnelt einem kräftigen Erkältungsinfekt. Sicher auseinanderhalten lassen sich die drei allein an den Beschwerden allerdings nicht.


Person mit Decke auf dem Sofa hält ein Fieberthermometer, daneben Taschentücher und ein Becher Tee

Was alle drei gemeinsam haben

Alle drei sind Virusinfektionen der Atemwege, und alle drei können Husten, Halsschmerzen, Schnupfen, Kopfschmerzen und Fieber machen. Erkältungen sind mit Abstand am häufigsten: Erwachsene machen laut IQWiG 2 bis 4 pro Jahr durch, Kinder 6 bis 8. Genau deshalb ist die erste Vermutung im Herbst meist richtig, und genau deshalb wiegt man sich manchmal zu Unrecht in Sicherheit.


Beginn: schleichend oder von jetzt auf gleich

  • Erkältung: Startet allmählich. Zuerst kratzt oder schmerzt der Hals, kurz darauf kommt die laufende und verstopfte Nase dazu. Man merkt, dass sich etwas anbahnt, und funktioniert oft noch einen Tag weiter.

  • Grippe: Das RKI beschreibt als typisch einen plötzlichen Erkrankungsbeginn. Die Inkubationszeit ist kurz, etwa 1 bis 3 Tage. Viele Betroffene können die Stunde nennen, in der es losging.

  • Corona: Bei den seit 2023 zirkulierenden Omikron-Subvarianten liegt die Zeit von der Ansteckung bis zu den ersten Beschwerden laut RKI im Mittel bei rund drei Tagen, mit einer Spanne von 1 bis 12 Tagen. Der Beginn ist meist weniger dramatisch als bei Influenza, aber schneller als bei einer klassischen Erkältung.


Fieber und Gliederschmerzen

  • Erkältung: Fieber ist möglich, bleibt aber meist niedrig oder fehlt ganz. Gliederschmerzen sind selten stark ausgeprägt.

  • Grippe: Hier liegt der deutlichste Unterschied. Typisch sind Fieber zwischen 38 und 40 Grad oder höher, Muskel- und Gelenkschmerzen, Kopfschmerzen und eine Erschöpfung, die Betroffene ins Bett zwingt. Dieses klassische Bild zeigt allerdings nur etwa ein Drittel der Infizierten. Ein weiteres Drittel erkrankt milder, ein Drittel bemerkt die Infektion gar nicht.

  • Corona: Fieber gehört zu den möglichen Symptomen, ist aber weder Pflicht noch beweisend. Das RKI nennt Fieber, Schnupfen, Husten, Halsschmerzen und Luftnot als mögliche Beschwerden, dazu Magen-Darm-Symptome wie Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall.


Husten, Hals und Nase

  • Erkältung: Schnupfen steht im Vordergrund, der Husten kommt später und wird oft produktiv. Er ist der hartnäckigste Teil: Bei Erwachsenen dauert er im Schnitt 18 Tage, bei Kindern manchmal bis zu drei Wochen.

  • Grippe: Der Husten ist anfangs meist trocken und quälend, Halsschmerzen kommen häufig dazu. Auch nach einer Grippe kann der Husten zwei bis drei Wochen anhalten, obwohl das Fieber längst weg ist.

  • Corona: Halsschmerzen und Schnupfen stehen bei den aktuellen Varianten oft im Vordergrund, dazu Husten. Heiserkeit ist häufig.


Geruchsverlust: nicht mehr der Beweis, der er einmal war

  • Früher: Beim ursprünglichen Coronavirus sowie den Varianten Alpha und Delta trat ein völliger Geruchs- oder Geschmacksverlust laut RKI bei etwa einem Viertel der Erkrankten auf und galt als nahezu beweisend.

  • Heute: Seit der Omikron-Variante ist dieses Symptom deutlich seltener geworden. Wer heute keinen Geruchsverlust hat, kann trotzdem Corona haben.

  • Bei Erkältung und Grippe: Eine verstopfte Nase dämpft den Geruchssinn ohnehin. Dieser Effekt verschwindet, sobald die Nase wieder frei ist, und ist etwas anderes als der plötzliche komplette Ausfall.


Verlauf und Dauer

  • Erkältung: Meist ist das Schlimmste innerhalb einer Woche überstanden. Der Restbestand aus Husten und leichtem Schnupfen zieht sich, ohne dass das ein Warnsignal wäre.

  • Grippe: Die Krankheitsdauer liegt laut RKI in der Regel bei 5 bis 7 Tagen. Komplikationen wie eine Lungenentzündung treten selten auf, zeigen sich dann aber häufig erst nach 3 bis 10 Tagen. Möglich sind auch eine bakterielle Zweitinfektion, eine Nasennebenhöhlenentzündung, bei Kindern eine Mittelohrentzündung, in seltenen Fällen eine Herzmuskel- oder Gehirnentzündung.

  • Corona: Die Verläufe reichen von beschwerdefrei bis schwer. Ein erhöhtes Risiko für schwere Verläufe haben nach RKI-Angaben Menschen ab etwa 60 Jahren, Immunsupprimierte, Personen mit chronischen Erkrankungen von Herz, Lunge, Nieren oder Leber sowie mit Diabetes und Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeeinrichtungen.


Hand hält ein Fieberthermometer neben eine Tasse Tee

Warum die Abgrenzung nach Gefühl oft scheitert

An dieser Stelle wird es unbequem, aber ehrlich: Die Symptome überlappen so stark, dass eine sichere Zuordnung ohne Labor nicht möglich ist. Das RKI formuliert für Influenza, dass typische Beschwerden während einer Phase hoher Influenza-Aktivität zwar einen guten Vorhersagewert haben, eine gesicherte Diagnose aber eine Laborbestätigung erfordert. Außerhalb der Grippewelle sinkt dieser Vorhersagewert deutlich.


Dazu kommt: Neben den drei bekannten Namen laufen im Herbst und Winter weitere Erreger mit, etwa RSV. Auch sie machen Husten, Fieber und Erschöpfung.


Tests helfen, aber weniger als viele hoffen. Die PCR gilt beim Coronavirus wie bei Influenza als Goldstandard für Sensitivität und Spezifität. Antigenschnelltests liegen laut RKI in der Sensitivität deutlich darunter und schwanken von Produkt zu Produkt. Praktisch heißt das:


  • Ein positiver Schnelltest ist aussagekräftig, vor allem bei hoher Viruslast.

  • Ein negativer Schnelltest schließt eine Infektion nicht aus. Zu früh, zu spät oder schlecht abgestrichen, und das Ergebnis stimmt nicht.

  • Für die Behandlung ändert das Ergebnis oft wenig. Relevant wird es, wenn Sie zu einer Risikogruppe gehören, weil dann eine gezielte antivirale Behandlung infrage kommt, oder wenn Sie Kontakt zu gefährdeten Menschen haben.


Wer zu einer Risikogruppe gehört, sollte deshalb nicht auf den perfekten Test warten, sondern früh in der Arztpraxis anrufen. Antivirale Medikamente gegen Influenza wie Oseltamivir oder Zanamivir wirken nur, wenn sie früh im Verlauf begonnen werden, und kommen laut IQWiG vor allem für Menschen mit erhöhtem Komplikationsrisiko infrage.


Wann Sie sofort ärztliche Hilfe brauchen

Unabhängig davon, welcher Erreger dahintersteckt, gehören diese Zeichen sofort abgeklärt:


  • Atemnot, Kurzatmigkeit in Ruhe oder beim Sprechen, schnelle flache Atmung

  • Schmerzen oder starkes Druckgefühl im Brustkorb

  • Blaue oder graue Lippen, blasse und kalte Haut

  • Hohes Fieber, das länger als drei Tage anhält oder trotz fiebersenkender Mittel nicht sinkt

  • Eine Verschlechterung nach zwischenzeitlicher Besserung, besonders mit erneutem Fieberanstieg. Das kann für eine bakterielle Zweitinfektion sprechen.

  • Verwirrtheit, ausgeprägte Schläfrigkeit, Benommenheit oder ein Kreislaufkollaps

  • Anhaltendes Erbrechen, kaum noch Trinken, wenig Urin, trockene Schleimhäute

  • Bei Säuglingen und Kleinkindern: Trinkverweigerung, auffällige Teilnahmslosigkeit, sichtbar angestrengte Atmung

  • Bei Schwangeren, Menschen ab 60 und chronisch Kranken: früher anrufen als sonst, auch bei mittelschweren Beschwerden


Außerhalb der Sprechzeiten führt der Weg über den ärztlichen Bereitschaftsdienst. Bei akuter Atemnot oder Bewusstseinsstörungen ist es ein Notfall, dann zählt die 112.


Was gegen die Beschwerden hilft, was nicht

Gegen die Viren selbst gibt es bei einer Erkältung nichts, was den Verlauf abkürzt. Was hilft, lindert Symptome:


  • Gut belegt: Fiebersenkende und schmerzlindernde Mittel wie Ibuprofen oder Paracetamol gegen Kopf-, Hals- und Gliederschmerzen. Abschwellende Nasensprays machen die Nase frei, sollten laut IQWiG aber nur kurzfristig angewendet werden. Honig und einige pflanzliche Mittel können Husten lindern.

  • Möglich, aber unsicher: Eine Cochrane-Übersicht aus dem Jahr 2024 fand Hinweise, dass Zink eine Erkältung um etwa zwei Tage verkürzen könnte. Die Autorinnen und Autoren stufen die Evidenz allerdings als nicht schlüssig ein und weisen auf häufigere, wenn auch nicht schwerwiegende Nebenwirkungen hin.

  • Nicht belegt: Vitamin C hat laut IQWiG keine zuverlässige Schutzwirkung, Vitamin D wirkt Studien zufolge nicht gegen Erkältungen. Für Inhalieren und für die Empfehlung, besonders viel zu trinken, ist die Datenlage dünn.

  • Immer sinnvoll: Ruhe, Schlaf und kein Sport, solange Fieber oder Gliederschmerzen bestehen.


Andere nicht anstecken

Ansteckend sind Sie früher, als es sich anfühlt. Influenzaviren werden im Mittel etwa 4 bis 5 Tage ab dem ersten Symptom ausgeschieden, bei Kindern länger, und teilweise schon vor Symptombeginn. Beim Coronavirus werden vermehrungsfähige Viren nach RKI-Angaben über rund fünf Tage nach Symptombeginn ausgeschieden, ebenfalls bereits davor.


Was praktisch wirkt: Hände 20 bis 30 Sekunden gründlich waschen, besonders nach dem Naseputzen und vor dem Essen. In ein Einmaltaschentuch oder in die Armbeuge husten und niesen, nicht in die Hand. Räume regelmäßig stoßlüften. Kontakte zu Älteren, Schwangeren und chronisch Kranken für ein paar Tage verschieben. Die Cochrane-Übersichtsarbeit von 2023 fand für Handhygiene eine relative Verringerung von Atemwegserkrankungen um etwa 11 Prozent, bei allerdings geringer Aussagesicherheit der eingeschlossenen Studien.


Häufige Fragen

Kann man Grippe und Corona gleichzeitig haben? Ja, eine gleichzeitige Infektion mit zwei Erregern ist möglich. Sie ist nicht häufig, kommt aber vor und kann den Verlauf schwerer machen.


Ab wann darf ich wieder arbeiten gehen? Als Faustregel: erst, wenn Sie mindestens 24 Stunden ohne fiebersenkende Medikamente fieberfrei sind und sich der Allgemeinzustand deutlich gebessert hat. Ein Resthusten allein ist kein Grund, länger zu Hause zu bleiben, ein Rest an Ansteckungsfähigkeit kann aber bestehen.


Mein Husten hält seit drei Wochen an. Ist das noch normal? Nach einer Erkältung und nach einer Grippe ist ein wochenlanger Husten ohne weitere Beschwerden gut belegt und meist harmlos. Kommen Fieber, Luftnot, Brustschmerzen oder blutiger Auswurf dazu oder wird der Husten wieder schlimmer, gehört er untersucht.


Bringt ein Test überhaupt etwas, wenn ich nicht zur Risikogruppe gehöre? Für die Behandlung meist wenig. Sinnvoll wird er, wenn Sie in den Tagen danach engen Kontakt zu gefährdeten Menschen haben oder in der Pflege arbeiten.


Unsicher, ob Ihre Beschwerden noch in die Kategorie „auskurieren" fallen oder schon abgeklärt gehören? Im Forum von beemy schildern Nutzerinnen und Nutzer ihre Verläufe und bekommen Einordnung von Fachleuten.


Quellen


Dieser Artikel informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche Diagnose oder Behandlung. Bei akuten Beschwerden wenden Sie sich an eine Arztpraxis oder den Notdienst. Illustration: mit KI generiert.

 
 
 

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