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Mund- und Rachenkrebs: Die Warnzeichen, die keine zwei Wochen warten sollten

vor 5 Tagen
6 Min. Lesezeit

Eine Stelle im Mund, die nach zwei bis drei Wochen nicht abgeheilt ist, gehört untersucht. Dasselbe gilt für Heiserkeit ohne Erkältung, für einseitige Schluckbeschwerden und für nicht abwischbare weiße oder rote Flecken auf der Schleimhaut. In den allermeisten Fällen steckt etwas Harmloses dahinter, eine Druckstelle, eine Aphthe, ein überlasteter Stimmapparat. Der Punkt ist nicht die Wahrscheinlichkeit, sondern die Zeit: Kopf-Hals-Tumoren machen im Frühstadium kaum Beschwerden, und genau die frühen Stadien haben die besten Aussichten.


Zahnärztin untersucht mit Spiegel und Lampe die Mundschleimhaut einer Patientin

Die Drei-Wochen-Regel

Der Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums fasst die Warnzeichen in einer einfachen Merkregel zusammen, der sogenannten 1für3-Regel: Bleibt eines der folgenden Symptome drei Wochen lang bestehen, gehört es ärztlich abgeklärt.


  • Wunden im Mund oder an der Zunge

  • rote und/oder weiße Flecken im Mund

  • Heiserkeit

  • Halsschmerzen

  • einseitig verstopfte Nase, gegebenenfalls mit blutigem Ausfluss

  • Schluckbeschwerden

  • Ohrenschmerzen


Ein Symptom genügt. Es müssen nicht mehrere zusammenkommen, und es muss nicht wehtun.


Für Veränderungen der Mundschleimhaut zieht die S3-Leitlinie Mundhöhlenkarzinom die Grenze noch enger: Unklare Schleimhautveränderungen, die länger als zwei Wochen bestehen, sollen dringlich einer Fachärztin oder einem Facharzt vorgestellt werden. Rund 17.000 Menschen in Deutschland erkranken jährlich an einem Kopf-Hals-Tumor.


Die Warnzeichen im Einzelnen

Die Merkregel ist bewusst kurz gehalten. Im Alltag hilft es, die Zeichen nach Ort zu sortieren.


Im Mund:


  • eine wunde Stelle oder ein Geschwür, das nach zwei bis drei Wochen unverändert da ist

  • ein weißer Fleck, der sich nicht abwischen lässt, fachsprachlich Leukoplakie

  • ein roter, samtiger Fleck, die sogenannte Erythroplakie

  • eine Verhärtung oder Knotenbildung an Zunge, Wange, Mundboden oder Gaumen

  • Zähne, die ohne erkennbaren Grund locker werden oder bei denen eine Prothese plötzlich nicht mehr passt

  • Blutungen aus dem Mund ohne Verletzung

  • Taubheitsgefühl oder Kribbeln an Lippe, Zunge oder Kinn


Beim Sprechen und Schlucken:


  • Heiserkeit oder eine veränderte Stimme über mehr als drei Wochen, ohne Erkältung und ohne Stimmüberlastung

  • das Gefühl, ein Kloß oder Fremdkörper sitze im Hals

  • Schluckbeschwerden, die immer an derselben Seite auftreten

  • Reizhusten ohne Infekt


Am Hals und am Ohr:


  • eine harte, schmerzlose Schwellung am Hals, die bleibt

  • einseitige Ohrenschmerzen, obwohl das Ohr selbst unauffällig ist


Zu den weißen und roten Flecken lohnt eine Einordnung. Die S2k-Leitlinie der Zahnmedizin zu oralen Vorläuferläsionen beziffert die Rate, mit der eine Leukoplakie in westlichen Ländern bösartig wird, auf etwa 1 Prozent. Die seltenere Erythroplakie ist die deutlich riskantere Veränderung, hier liegt die Rate über 50 Prozent. Ein weißer Fleck ist also meist kein Drama, ein roter Fleck dagegen ein Fall für die zügige Untersuchung.


Warum einseitige Ohrenschmerzen dazugehören

Dieses Zeichen wird am häufigsten übersehen, weil es so weit weg vom Ursprung liegt. Rachen und Ohr teilen sich Nervenbahnen. Ein Tumor im unteren Rachen kann deshalb Schmerzen auslösen, die das Gehirn ins Ohr projiziert, obwohl im Ohr selbst nichts zu finden ist. Die Onkopedia-Leitlinie der Fachgesellschaft für Hämatologie und Onkologie führt Ohrenschmerzen entsprechend als typisches Erstsymptom von Hypopharynxkarzinomen auf.


Wenn also eine HNO-Praxis ins Ohr schaut, dort nichts findet und Sie trotzdem seit Wochen einseitig Ohrenschmerzen haben, ist die Untersuchung noch nicht zu Ende. Dann gehört der Rachen angeschaut.


Die Erklärungen, die Zeit kosten

Fast jeder Betroffene hat für sein Symptom zunächst eine plausible Alternativerklärung gefunden. Genau diese Erklärungen sind der Grund, warum die meisten Tumoren erst spät entdeckt werden.


  • „Das ist nur eine Aphthe." Aphthen sind sehr schmerzhaft und heilen in der Regel binnen ein bis zwei Wochen von selbst ab. Eine Stelle, die nach drei Wochen noch da ist, passt nicht mehr dazu.

  • „Die Prothese drückt eben." Eine Druckstelle bessert sich, sobald der Druck weg ist. Bleibt sie nach Anpassung bestehen, gehört sie untersucht.

  • „Ich bin Raucher, ich bin morgens immer heiser." Anhaltende Heiserkeit bei Rauchern ist kein normaler Zustand, sondern gerade in dieser Gruppe das Zeichen, das am ehesten weiterführt.

  • „Es tut ja nicht weh." Frühe Tumoren der Mundhöhle und des Rachens sind häufig schmerzlos. Schmerzfreiheit ist kein Entwarnungssignal.


Wer besonders aufpassen sollte

Hier hilft Klartext mehr als Rücksicht. Nach Angaben des Zentrums für Krebsregisterdaten am Robert Koch-Institut sind Tabak und Alkohol in jeder Form die wichtigsten Risikofaktoren für Krebs in Mundhöhle und Rachen, und ihre Wirkung verstärkt sich erheblich, wenn beide zusammenkommen. Die Onkopedia-Leitlinie beziffert den Anteil der Tumoren, die mit Nikotin- und Alkoholkonsum zusammenhängen, auf rund 75 Prozent.


Der zweite große Faktor sind humane Papillomviren. Anhaltende Infektionen mit Hochrisiko-Typen betreffen vor allem den Mittelteil des Rachens mit Mandeln und Zungengrund. HPV-bedingte Tumoren treten oft bei jüngeren Menschen auf und haben in der Regel eine bessere Prognose als HPV-negative, wobei Rauchen die Aussichten auch hier verschlechtert.


Dazu kommen weitere Einflüsse: schlechte Mundhygiene und chronische Reizungen der Schleimhaut, etwa durch scharfe Zahnkanten oder schlecht sitzenden Zahnersatz, ferner UV-Strahlung bei Lippentumoren und eine sehr einseitige Ernährung. Wichtig bleibt trotzdem: Ein Teil der Betroffenen hat nie geraucht und trinkt kaum Alkohol. Kein Risikoprofil ersetzt das Hinschauen.


Person kontrolliert im Badezimmerspiegel die eigene Mundschleimhaut

Zahnarzt und HNO-Praxis leisten die Ersterkennung

Für Mund- und Rachenkrebs gibt es kein etabliertes Reihenscreening. Der Weg zur frühen Diagnose führt deshalb über die beiden Praxen, in denen ohnehin regelmäßig in den Mund geschaut wird.


Die S3-Leitlinie Mundhöhlenkarzinom formuliert das als klare Vorgabe: Die zahnärztliche und ärztliche Untersuchung soll bei jedem Patienten eine Inspektion der gesamten Mundschleimhaut umfassen, nicht nur der Zähne. Wangen, Zungenränder, Zungenunterseite, Mundboden und Gaumen gehören dazu. Wer zur Kontrolle geht, bekommt diese Untersuchung also mit, sollte aber aktiv auf auffällige Stellen hinweisen.


Bei Heiserkeit ist die HNO-Praxis zuständig. Der Deutsche Berufsverband der HNO-Ärzte rät, spätestens nach drei Wochen anhaltender Heiserkeit einen Termin zu machen, weil eine Stimmveränderung zu den frühesten Zeichen eines Kehlkopftumors zählt.


So läuft die Abklärung ab

Der erste Termin ist unspektakulär und tut nicht weh. Nach dem Gespräch folgt die Inspektion von Mundhöhle und Rachen, dazu das Abtasten von Mundboden, Zunge und Hals. Für Kehlkopf und tiefen Rachen kommt eine Spiegelung mit einem dünnen flexiblen Endoskop durch die Nase dazu, meist nach örtlicher Betäubung der Schleimhaut.


Bleibt eine Stelle verdächtig, wird eine Gewebeprobe entnommen. Erst die feingewebliche Untersuchung entscheidet, sonst nichts. Kein Blick, kein Tastbefund und kein Bild ersetzt sie. Fällt sie auffällig aus, folgen laut Onkopedia-Leitlinie eine Panendoskopie in Narkose, bei der Rachen, Kehlkopf, Speiseröhre und Luftröhre systematisch abgesucht werden, sowie Schnittbilder von Hals, Brustkorb und Bauch.


Rechnen Sie mit mehreren Terminen über zwei bis drei Wochen. Diese Zeit lässt sich nicht verkürzen, das Warten davor schon.


Was frühe Erkennung bedeutet

Über alle Stadien hinweg liegt die relative 5-Jahres-Überlebensrate bei Krebs in Mundhöhle und Rachen laut Robert Koch-Institut bei 63 Prozent für Frauen und 54 Prozent für Männer, nach zehn Jahren bei 52 beziehungsweise 43 Prozent. Diese Zahlen mischen sehr unterschiedliche Verläufe.


Aufschlussreicher ist die Verteilung der Stadien bei Diagnose. Nach den Registerdaten wird bei Frauen etwa jeder vierte bis fünfte Tumor im frühen Stadium entdeckt, bei Männern nur etwa jede siebte Erkrankung. Die große Mehrheit wird also erst spät gefunden. Der Krebsinformationsdienst formuliert den Zusammenhang nüchtern: Die Heilungschancen sind höher, wenn ein Tumor früher erkannt wird.


Eine einzelne Prozentzahl für Frühstadien lässt sich seriös nicht nennen, weil sie stark davon abhängt, wo der Tumor sitzt. Die Richtung ist trotzdem eindeutig, und sie hängt an Wochen, nicht an Monaten.


Was vorbeugt

  • Rauchstopp: der wirksamste einzelne Schritt, und das Risiko sinkt nach dem Aufhören über die Jahre

  • weniger Alkohol: besonders wirksam in Kombination mit dem Rauchstopp, weil sich beide Faktoren gegenseitig verstärken

  • Mundhygiene und Zahnkontrollen: regelmäßiges Putzen, Zahnersatz anpassen lassen, scharfe Kanten glätten lassen

  • HPV-Impfung: Die Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut empfiehlt sie für alle Kinder im Alter von 9 bis 14 Jahren, Nachholimpfungen bis zum 18. Geburtstag. Sie richtet sich unter anderem gegen HPV-bedingte Karzinome im Oropharynx. In Deutschland erkranken jährlich etwa 7.500 Frauen und 3.000 Männer an einem HPV-bedingten Krebs.

  • Sonnenschutz für die Lippen: relevant bei viel Zeit im Freien


Wann Sie sofort Hilfe brauchen

Die meisten der genannten Zeichen sind ein Fall für einen zeitnahen Termin, nicht für die Notaufnahme. Diese Situationen sind es dagegen schon:


  • Atemnot oder pfeifendes Einatmen

  • eine Blutung aus Mund oder Rachen, die nicht von selbst aufhört

  • Schluckunfähigkeit mit Speichelfluss

  • eine rasch zunehmende Schwellung am Hals mit hohem Fieber


Wer eines der Warnzeichen an sich bemerkt, sollte nicht auf die nächste Routinekontrolle warten, sondern einen Termin ausmachen und beim Anruf sagen, worum es geht. Das kostet zwanzig Minuten und nimmt in aller Regel eine Sorge weg.


Sie haben eine Stelle im Mund entdeckt und fragen sich, ob Sie damit gleich in die Praxis sollten? Im beemy-Forum berichten andere, wie ihre Abklärung abgelaufen ist und was ihnen die Entscheidung leichter gemacht hat.


Quellen


Dieser Artikel informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche Diagnose oder Behandlung. Bei akuten Beschwerden wenden Sie sich an eine Arztpraxis oder den Notdienst. Illustration: mit KI generiert.

 
 
 

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