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Brust selbst abtasten: Was der Selbstcheck kann und was er nicht kann

vor 15 Stunden
5 Min. Lesezeit

Die Selbstuntersuchung der Brust ist keine Früherkennungsmethode im engeren Sinn. Zwei große Studien mit zusammen 388.535 Frauen fanden keinen Unterschied in der Brustkrebssterblichkeit zwischen Frauen, die regelmäßig abtasteten, und Frauen, die es nicht taten. Sinnvoll bleibt sie aus einem anderen Grund: Sie lernen dabei, wie sich Ihre Brust normalerweise anfühlt, und bemerken Abweichungen früher.


Frau steht vor einem Badezimmerspiegel und untersucht mit der flachen Hand ihre Brust

Das ist keine Nebensächlichkeit. Viele Brustkrebserkrankungen fallen dadurch auf, dass jemand eine Veränderung bemerkt und sie abklären lässt.


Was der Selbstcheck leistet und was nicht

Fangen wir mit dem unbequemen Teil an. Der Cochrane-Review von Kösters und Gøtzsche aus dem Jahr 2003 wertete zwei bevölkerungsbezogene Studien aus Russland und Shanghai aus. Beim Sterblichkeitsvergleich ergab sich ein relatives Risiko von 1,05 bei einem Konfidenzintervall von 0,90 bis 1,24. Übersetzt heißt das: kein erkennbarer Vorteil.


Gleichzeitig zeigte sich eine Kehrseite. In den Gruppen mit angeleiteter Selbstuntersuchung wurden 3.406 Gewebeproben entnommen, in den Vergleichsgruppen 1.856. Fast doppelt so viele Biopsien also, ganz überwiegend mit gutartigem Befund. Jede dieser Untersuchungen kostet Nerven, oft mehrere Wochen Wartezeit auf ein Ergebnis.


Warum raten Fachleute in Deutschland trotzdem dazu? Der Krebsinformationsdienst des DKFZ formuliert es nüchtern: Belege für eine gesenkte Sterblichkeit gibt es nicht, wohl aber einen praktischen Nutzen. Frühe Tumoren sind häufig noch nicht tastbar. Wer selbst etwas ertastet, findet meist kein Frühstadium. Nachgewiesen ist die Senkung der Brustkrebssterblichkeit bislang nur für die Mammografie.


Der Selbstcheck ist damit kein Ersatz für die ärztliche Untersuchung und keine Bildgebung. Er ist eine Gewohnheit, die Ihnen Ihren eigenen Normalzustand vertraut macht. Wer weiß, dass sich die eigene Brust knotig anfühlt und wo eine feste Stelle seit Jahren sitzt, erkennt das Neue schneller.


Der beste Zeitpunkt

Der Zyklus verändert das Brustgewebe erheblich. Kurz vor der Regelblutung ist es oft fester, empfindlicher und knotiger, was das Abtasten erschwert und unnötig beunruhigt.


Untersuchen Sie sich deshalb etwa eine Woche nach Beginn der letzten Regelblutung. Dann ist das Gewebe am weichsten. Nach den Wechseljahren oder bei fehlender Regelblutung wählen Sie einen festen Kalendertag, etwa den Ersten jedes Monats. Fachgesellschaften in Deutschland empfehlen die Selbstuntersuchung einmal monatlich, ab etwa 30 Jahren lässt sich das Vorgehen in der gynäkologischen Praxis einmal zeigen.


Zehn Minuten reichen. Wichtiger als Gründlichkeit im Einzelfall ist die Wiederholung, denn erst der Vergleich über Monate macht eine Veränderung sichtbar.


Schritt für Schritt

Sie brauchen einen großen Spiegel, gutes Licht und Ruhe. Gehen Sie beide Brüste in derselben Reihenfolge durch, das erleichtert den Vergleich.


  • Schritt 1, der Blick im Spiegel: Stellen Sie sich mit hängenden Armen vor den Spiegel. Achten Sie auf Form, Größe und Höhe beider Brüste. Ein leichter Unterschied ist normal und meist lebenslang vorhanden. Neu aufgetretene Unterschiede sind es nicht.

  • Schritt 2, der Blick mit erhobenen Armen: Heben Sie beide Arme über den Kopf, dann stemmen Sie die Hände in die Hüften und spannen den Brustmuskel an. In diesen Positionen fallen Einziehungen der Haut, Dellen und Konturveränderungen deutlicher auf als bei hängenden Armen.

  • Schritt 3, Abtasten im Stehen: Legen Sie eine Hand in den Nacken. Tasten Sie mit den drei mittleren Fingern der anderen Hand die Brust flach ab, mit kreisenden Bewegungen und leichtem Druck. Arbeiten Sie systematisch, entweder in Quadranten oder spiralförmig von der Brustwarze nach außen. Unter der Dusche mit eingeseifter Haut gleiten die Finger leichter.

  • Schritt 4, Abtasten im Liegen: Legen Sie sich auf den Rücken und schieben Sie ein kleines Kissen unter die Schulter der Seite, die Sie untersuchen. Im Liegen verteilt sich das Gewebe flacher, tiefere Anteile sind besser zu erreichen. Tasten Sie mit unterschiedlich starkem Druck: oberflächlich, mittel und tief.

  • Schritt 5, Randbereiche und Achselhöhle: Der obere äußere Bereich der Brust ist der häufigste Entstehungsort von Brustkrebs, verlängern Sie das Abtasten also bis zur Achsel. Die Achselhöhle selbst untersuchen Sie am besten mit locker hängendem Arm, damit die Muskulatur entspannt ist. Tasten Sie auch oberhalb und unterhalb des Schlüsselbeins.

  • Schritt 6, die Brustwarze: Drücken Sie zum Schluss die Brustwarze leicht zusammen und achten Sie darauf, ob Flüssigkeit austritt, klar, milchig oder blutig. Schauen Sie sich Haut und Warzenhof an: Schuppung, Krusten, Rötung oder eine neu eingezogene Brustwarze gehören notiert.


Wenn Sie etwas Auffälliges finden, notieren Sie Datum, Seite und Lage. Ein Foto hilft beim Vergleich. Warten Sie nicht bis zum nächsten Zyklus, wenn die Veränderung eindeutig neu ist.


Zwei Dinge erleichtern die Einordnung. Erstens: Beide Seiten gehören immer verglichen. Was rechts und links gleich ist, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit Ihr normales Gewebe. Zweitens: Ein knotiges, grobkörniges Tastgefühl ist bei vielen Frauen der Dauerzustand, besonders bei dichtem Drüsengewebe vor den Wechseljahren. Auffällig ist nicht die Knotigkeit an sich, sondern eine Stelle, die anders ist als alles ringsum.


Diese Veränderungen gehören ärztlich abgeklärt

Neun von zehn tastbaren Knoten sind gutartig. Das entlastet, ersetzt aber keine Beurteilung. Die WHO empfiehlt, verdächtige Veränderungen innerhalb von vier bis acht Wochen ärztlich abklären zu lassen. Vereinbaren Sie einen Termin bei:


  • einem neuen Knoten oder einer neuen Verhärtung, die sich vom übrigen Gewebe abhebt und über einen Zyklus hinaus bestehen bleibt

  • einer Einziehung der Haut oder der Brustwarze, die vorher nicht da war

  • großporiger, verdickter Haut, die an Orangenschale erinnert

  • Sekret aus der Brustwarze, besonders wenn es blutig oder einseitig ist und ohne Druck austritt

  • Rötung, Überwärmung oder Schwellung der Brust, vor allem wenn sie sich nicht wie eine Entzündung mit Fieber verhält

  • Schuppung, Nässen oder Krusten an Brustwarze und Warzenhof, die nicht abheilen

  • einer Veränderung, die nur eine Seite betrifft, während die andere unverändert bleibt

  • geschwollenen Lymphknoten in der Achselhöhle oder über dem Schlüsselbein ohne erkennbaren Infekt


Schmerzen fehlen bei frühen Veränderungen meist. Schmerzfreiheit ist deshalb kein Entwarnungssignal, und Schmerzen allein sind umgekehrt selten ein Krebszeichen. Einseitigkeit und Neuauftreten wiegen schwerer als jedes einzelne Merkmal.


In der Praxis folgt zuerst das ärztliche Abtasten, danach je nach Alter und Befund eine Ultraschalluntersuchung, eine Mammografie oder beides. Bleibt eine Auffälligkeit bestehen, wird eine Gewebeprobe entnommen, meist ambulant mit einer Nadel unter örtlicher Betäubung. Die Kette klingt bedrohlicher, als sie in den meisten Fällen endet: Der überwiegende Teil dieser Abklärungen ergibt einen gutartigen Befund.


Auch Männer bekommen Brustkrebs

Das wird regelmäßig übersehen. In Deutschland erkrankten nach Daten des Zentrums für Krebsregisterdaten am Robert Koch-Institut im Jahr 2022 rund 690 Männer an Brustkrebs, gegenüber etwa 74.500 Frauen. Selten also, aber nicht so selten, dass man es ignorieren sollte.


Der typische Befund beim Mann ist ein glatter, harter, schmerzloser Knoten im Bereich der Brustwarze. Dazu kommen oft Veränderungen der Brustwarze selbst: Einziehung, Sekret, kleine Entzündungen oder Krusten, die nicht abheilen. Auch vergrößerte Lymphknoten in der Achselhöhle sind ein Hinweis.


Die relative 5-Jahres-Überlebensrate lag bei Männern bei 77 Prozent, bei Frauen bei 88 Prozent. Ein Grund für den Unterschied liegt darin, dass Männer später kommen, weil sie mit dieser Erkrankung schlicht nicht rechnen. Ein neuer Knoten in der männlichen Brust gehört in die hausärztliche Praxis, von dort erfolgt bei Bedarf die Überweisung an ein Brustzentrum.


Drei verbreitete Irrtümer

Irrtum eins: Wer regelmäßig abtastet, stirbt seltener an Brustkrebs. Genau das ließ sich in den Studien nicht zeigen. Die Selbstuntersuchung verbessert Ihre Kenntnis des eigenen Körpers, sie ist kein Schutzschild.


Irrtum zwei: Ein tastbarer Knoten bedeutet Krebs. Neun von zehn tastbaren Knoten sind harmlos, häufig hormonell bedingte Gewebeveränderungen oder gutartige Zysten. Abklären ja, in Panik verfallen nein.


Irrtum drei: Wer nichts tastet, kann beruhigt sein. Frühe Tumoren sind oft nicht tastbar. Deshalb bleiben Bildgebung und ärztliche Untersuchung eigenständige Bausteine, unabhängig davon, wie sorgfältig Sie zu Hause vorgehen.


Sie haben eine Veränderung bemerkt und sind unsicher, wie dringend die Abklärung ist? Im Forum von beemy beantworten Fachleute solche Fragen und ordnen ein, was als Nächstes sinnvoll ist.


Quellen


Dieser Artikel informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche Diagnose oder Behandlung. Bei akuten Beschwerden wenden Sie sich an eine Arztpraxis oder den Notdienst. Illustration: mit KI generiert.

 
 
 

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