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Grippeimpfung: Wann der beste Zeitpunkt ist und für wen sie sich lohnt

23. Sept.
6 Min. Lesezeit

Das günstigste Zeitfenster für die Grippeimpfung liegt zwischen Oktober und Mitte Dezember. Der Grund ist einfach: Nach der Impfung dauert es 10 bis 14 Tage, bis der Schutz vollständig aufgebaut ist, und die Grippewelle erreicht in Deutschland meist erst nach der Jahreswende ihren Höhepunkt. Wer den Termin verpasst, kann die Impfung auch im Januar noch nachholen.


Aufgeschlagener Kalender mit markiertem Oktobertag neben einem Impfpass auf einem Praxistresen

Warum ausgerechnet Oktober bis Mitte Dezember?

Das Robert Koch-Institut nennt diesen Zeitraum als geeigneten Impfzeitpunkt. Dahinter steckt eine simple Rechnung aus zwei Größen.


Die erste Größe ist der Verlauf der Saison. Die Fallzahlen steigen laut RKI ab Ende September langsam an, der eigentliche Gipfel liegt in den vergangenen Jahren meist nach dem Jahreswechsel. Die zweite Größe ist Ihr Immunsystem: Es braucht nach dem Piks rund zwei Wochen, um Antikörper aufzubauen. Wer sich Anfang Dezember impfen lässt, ist also erst um Weihnachten herum geschützt.


Zu früh ist allerdings auch nicht ideal. Das RKI weist darauf hin, dass der Impfschutz im Lauf eines Jahres nachlässt. Eine Impfung Anfang September kann deshalb bis zum Höhepunkt der Welle im Februar bereits an Kraft verlieren. Oktober trifft die Mitte.


In der Schweiz sieht das Bundesamt für Gesundheit es ähnlich: Dort beginnt die Grippeimpfzeit Mitte Oktober und dauert bis zum Beginn der Grippewelle.


Ist eine Impfung im Januar noch sinnvoll?

Ja, in vielen Fällen. Das RKI formuliert es so: Wurde die Impfung versäumt, kann es auch zu Beginn oder im Verlauf der Grippewelle noch sinnvoll sein, sie nachzuholen. Niemand kann vorhersagen, wie lange eine Welle läuft. Manche Saisons ziehen sich bis in den April.


Rechnen Sie dabei die zwei Wochen Vorlauf ein. Wer sich Mitte Januar impfen lässt, ist Anfang Februar geschützt. In einer Saison mit spätem Gipfel ist das noch immer ein großer Teil der Welle. Läuft die Welle dagegen bereits seit Wochen auf Hochtouren und flaut ab, wird der Gewinn kleiner. Diese Einschätzung nimmt die Arztpraxis vor, die die aktuelle Lage kennt.


Für wen wird die Impfung besonders empfohlen?

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die jährliche Grippeimpfung nicht für alle, sondern für Gruppen mit erhöhtem Risiko für schwere Verläufe oder mit vielen Kontakten. Dazu zählen:


  • Menschen ab 60 Jahren. Mit dem Alter sinkt die Fähigkeit des Immunsystems, mit Influenzaviren fertig zu werden. In der Schweiz liegt die Altersgrenze bei 65 Jahren.

  • Schwangere. Die STIKO empfiehlt die Impfung ausdrücklich in jeder Schwangerschaft, in der Regel ab dem zweiten Drittel. Das RKI hält fest, dass die Sicherheit der Impfstoffe für Schwangere und Ungeborene bestätigt ist.

  • Menschen mit chronischen Grunderkrankungen. Gemeint sind unter anderem Asthma und COPD, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Leber- und Nierenerkrankungen, neurologische Erkrankungen und Immunschwäche.

  • Bewohnerinnen und Bewohner von Alten- oder Pflegeheimen. Hier treffen hohes Alter und enges Zusammenleben aufeinander.

  • Medizinisches Personal und Beschäftigte mit viel Publikumsverkehr. Zwei Gründe zählen: der eigene Schutz und der Schutz der Menschen, mit denen man täglich zu tun hat.

  • Kontaktpersonen von Risikogruppen. Wer regelmäßig einen pflegebedürftigen Angehörigen besucht oder mit einem Säugling im Haushalt lebt, schützt durch die eigene Impfung indirekt mit. Säuglinge unter sechs Monaten können selbst noch nicht geimpft werden.

  • Menschen mit beruflichem Tierkontakt. Das RKI nennt Kontakt zu Geflügel, Schweinen, Wildvögeln und Robben.


Wer in keine dieser Gruppen fällt, kann sich trotzdem impfen lassen. Die Entscheidung ist dann eine persönliche, keine medizinisch dringliche.


Wie gut schützt die Impfung wirklich?

Hier lohnt Ehrlichkeit mehr als Werbung. Die Grippeimpfung ist kein Bollwerk, sondern eine deutliche Risikosenkung mit schwankender Ausbeute.


Das RKI beziffert die Wirksamkeit für die Saisons 2010/11 bis 2019/20 in europäischen und US-amerikanischen Studien auf 20 bis 60 Prozent. Bei älteren Erwachsenen lag sie im Mittel bei 41 Prozent. Anschaulich heißt das: Von 100 ungeimpften Seniorinnen und Senioren erkranken etwa 10 an Grippe, von 100 geimpften rund 6.


Bei gesunden Erwachsenen fällt die Bilanz nüchtern aus. Eine Cochrane-Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2018 mit über 80.000 Teilnehmenden kam zu dem Ergebnis, dass 71 Menschen geimpft werden müssen, um einen Influenzafall zu verhindern, und 29, um eine grippeähnliche Erkrankung zu verhindern. Auf Krankenhausaufenthalte und Fehltage hatte die Impfung in dieser Auswertung wenig bis keinen messbaren Einfluss. Das IQWiG rechnet für gesunde Erwachsene mit einer Senkung des Ansteckungsrisikos um schätzungsweise bis zu 60 Prozent.


Warum die Zahlen so weit auseinanderliegen, hat mehrere Gründe: Alter, frühere Infektionen und Impfungen, der verwendete Impfstofftyp und vor allem die Frage, wie gut die Impfstoffzusammensetzung zu den tatsächlich zirkulierenden Virusvarianten passt. Das entscheidet sich jedes Jahr neu.


Ein Punkt geht in der Prozentdebatte oft unter: Auch wenn die Impfung eine Erkrankung nicht verhindert, verläuft die Influenza bei Geimpften nach Angaben des RKI milder und mit weniger Komplikationen. Für ältere Menschen mit über 60 schätzt das Institut, dass die Impfung in Deutschland pro Jahr etwa 400.000 Influenza-Erkrankungen verhindert.


Ab 60: Hochdosis oder adjuvantierter Impfstoff

Seit der Saison 2025/2026 empfiehlt die STIKO allen Personen ab 60 Jahren einen Influenza-Hochdosis-Impfstoff oder einen MF-59-adjuvantierten Impfstoff. Beide sind darauf ausgelegt, das alternde Immunsystem stärker anzustoßen als ein Standardimpfstoff.


Der Nutzen ist real, aber kein Sprung: Das RKI beschreibt die Wirksamkeit als geringfügig, aber signifikant besser als bei Standardimpfstoffen. Im direkten Vergleich der beiden Varianten fanden sich nur geringe, statistisch nicht bedeutsame Unterschiede. Weil Influenza häufig ist und schwer verlaufen kann, summiert sich auch ein kleiner Vorteil zu einer relevanten Zahl verhinderter Fälle.


Der Preis dafür ist eine leicht erhöhte Reaktogenität. Schmerzen, Rötung und Schwellung an der Einstichstelle sowie Fieber und Kopfschmerzen treten etwas häufiger auf als nach einem Standardimpfstoff. Sie klingen in aller Regel von selbst wieder ab.


Was nach der Impfung normal ist

Die typischen Reaktionen sind gut beschrieben und kurz. An der Einstichstelle können leichte Schmerzen, eine Rötung und eine Schwellung auftreten. Gelegentlich kommen Allgemeinsymptome dazu, die sich anfühlen wie eine beginnende Erkältung: Fieber, Frösteln, Müdigkeit, Kopf-, Muskel- oder Gliederschmerzen. Diese Beschwerden klingen laut RKI meist innerhalb von ein bis zwei Tagen ab.


Die Cochrane-Auswertung fand in den ausgewerteten Studien leichte Temperaturerhöhungen, aber keine schwerwiegenden unerwünschten Ereignisse. Bei einer akuten fieberhaften Erkrankung wird der Impftermin üblicherweise verschoben, bis es Ihnen wieder besser geht. Wer schon einmal heftig auf einen Impfstoff reagiert hat, bespricht das vorher in der Praxis.


Drei Mythen, die sich hartnäckig halten

  • „Von der Impfung bekommt man Grippe." Das ist nicht möglich. Die in Deutschland verwendeten Impfstoffe sind Totimpfstoffe mit inaktivierten Viren. Das RKI schreibt dazu unmissverständlich: Totimpfstoffe können keine Infektionskrankheiten auslösen. Was manche als „Grippe von der Impfung" erleben, sind entweder die genannten Impfreaktionen für ein bis zwei Tage oder ein zufällig zeitgleicher Atemwegsinfekt, von denen im Herbst reichlich unterwegs sind.

  • „Ich war letztes Jahr geimpft, das reicht." Reicht nicht. Influenzaviren verändern sich laufend, die Impfstoffzusammensetzung wird jedes Jahr angepasst, und der Schutz lässt im Lauf der Monate nach. Die Impfung gilt für eine Saison.

  • „Die Impfung bringt nichts, man wird ja trotzdem krank." Sie verhindert nicht jede Erkrankung, das stimmt. Sie senkt aber die Wahrscheinlichkeit deutlich und mildert den Verlauf, wenn es einen doch erwischt. Genau darum geht es bei Menschen mit erhöhtem Risiko.


Häufige Fragen

Kann ich die Grippeimpfung zusammen mit anderen Impfungen bekommen? In der Praxis werden Totimpfstoffe häufig am selben Termin gegeben, an unterschiedlichen Stellen des Körpers. Ob das in Ihrem Fall sinnvoll ist, klärt die Arztpraxis anhand Ihres Impfpasses.


Ich hatte im Frühjahr eine Grippe. Brauche ich die Impfung trotzdem? In einer Saison zirkulieren mehrere Influenza-Typen. Eine durchgemachte Infektion schützt nicht zuverlässig vor den anderen, und die Impfstoffe der neuen Saison sind auf die aktuell erwarteten Varianten abgestimmt.


Wie viele Ältere lassen sich überhaupt impfen? Zu wenige, gemessen an den Zielvorgaben. Die Europäische Union nennt eine Zielquote von 75 Prozent bei älteren Menschen. Das RKI hält fest, dass diese Vorgabe in Deutschland nicht annähernd erreicht wird.


Schützt die Impfung auch andere Menschen? Indirekt ja. Wer nicht erkrankt, gibt das Virus auch nicht weiter. Deshalb empfehlen sowohl die STIKO als auch das Schweizer BAG die Impfung ausdrücklich für Menschen, die regelmäßig engen Kontakt zu Risikogruppen haben.


Sie sind unsicher, ob die Impfung in Ihrer Situation sinnvoll ist, oder möchten wissen, wie andere mit Impfreaktionen umgegangen sind? Im Forum von beemy tauschen sich Nutzerinnen und Nutzer mit Fachleuten über solche Fragen aus.


Quellen


Dieser Artikel informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche Diagnose oder Behandlung. Bei akuten Beschwerden wenden Sie sich an eine Arztpraxis oder den Notdienst. Illustration: mit KI generiert.

 
 
 

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