top of page

Gürtelrose-Impfung: Für wen sie empfohlen wird und was der Totimpfstoff leistet

vor 2 Stunden
6 Min. Lesezeit

Empfohlen wird die Gürtelrose-Impfung in Deutschland allen Menschen ab 60 Jahren, bei erhöhtem Risiko durch Immunschwäche oder eine schwere chronische Grunderkrankung bereits ab 18 Jahren. Verwendet wird der adjuvantierte Totimpfstoff, zwei Dosen im Abstand von zwei bis sechs Monaten. In Zulassungsstudien verhinderte er etwa 92 Prozent der Gürtelrose-Erkrankungen bei Menschen ab 50 und rund 82 Prozent der Fälle von Post-Zoster-Neuralgie.


Ältere Frau erhält in einer Arztpraxis eine Impfung in den Oberarm, medizinische Fachkraft mit Handschuhen setzt die Spritze an

Der Haken steckt in der Verträglichkeit. Dieser Impfstoff reizt das Immunsystem bewusst stark, und das merken die meisten Geimpften. Wer das vorher weiß, plant den Termin anders.


Für wen die Impfung empfohlen wird

Die Empfehlungen im deutschsprachigen Raum ähneln sich, unterscheiden sich aber im Detail.


  • Deutschland: Die STIKO empfiehlt allen Personen ab 60 Jahren die Standardimpfung mit dem adjuvantierten Herpes-zoster-Totimpfstoff. Als Indikationsimpfung gilt sie für Personen ab 18 Jahren mit erhöhtem Erkrankungsrisiko, etwa bei angeborener oder erworbener Immunschwäche, unter immunsuppressiver Therapie oder bei schwerer Ausprägung einer chronischen Grunderkrankung wie Diabetes mellitus, chronischer Nierenerkrankung, COPD oder systemischem Lupus erythematodes. Diese Altersgrenze ist neu: Mit dem Epidemiologischen Bulletin 45/2025 ersetzte die STIKO die frühere Indikationsempfehlung, die erst ab 50 Jahren galt.

  • Österreich: Der Impfstoff ist ab dem vollendeten 50. Lebensjahr zugelassen und wird ab dem vollendeten 60. Lebensjahr allgemein empfohlen. Für Erwachsene mit schweren Grunderkrankungen gilt die Empfehlung bereits ab 18 Jahren. Das Nationale Impfgremium empfiehlt ausdrücklich den Totimpfstoff.

  • Schweiz: BAG und EKIF führen die Impfung als ergänzende Impfung für alle ab 65 Jahren, ohne obere Altersgrenze. Personen mit erhöhtem Risiko werden ab 50 Jahren erfasst, Personen mit schwerer Immunschwäche ab 18 Jahren.


Eine durchgemachte Gürtelrose schließt die Impfung nicht aus, im Gegenteil. Wer einmal erkrankt war, kann erneut erkranken. Die Impfung soll dann erfolgen, wenn die akuten Beschwerden vollständig abgeklungen sind, empfohlen wird ein Abstand von sechs bis zwölf Monaten. Auch eine frühere Windpockenerkrankung oder Windpockenimpfung ändert an der Empfehlung nichts.


Warum das Risiko mit dem Alter steigt

Gürtelrose ist keine neue Ansteckung. Das Varizella-Zoster-Virus bleibt nach den Windpocken lebenslang in den Nervenknoten und kann von dort wieder aktiv werden. Verhindert wird das normalerweise von der zellulären Immunabwehr, die das Virus in Schach hält.


Genau diese Kontrolle lässt mit den Jahren nach. Deshalb steigt die Erkrankungsrate ab etwa dem 50. Lebensjahr deutlich an. Das RKI beziffert das Lebenszeitrisiko einer Reaktivierung auf rund 30 Prozent und schätzt, dass etwa jede zweite Person, die das 85. Lebensjahr erreicht, im Lauf ihres Lebens eine Gürtelrose durchmacht. In Deutschland erkranken jährlich über 300.000 Erwachsene.


Der Ausschlag selbst heilt meist ab. Das eigentliche Problem ist die Post-Zoster-Neuralgie, ein Nervenschmerz, der nach dem Abheilen der Bläschen bestehen bleibt und über Monate anhalten kann, in Einzelfällen lebenslang. Bei älteren Erkrankten trifft es einen erheblichen Teil: Schweizer Daten gehen davon aus, dass etwa 20 Prozent der über 65-Jährigen mit Gürtelrose eine chronische Post-Zoster-Neuralgie entwickeln.


Unabhängig von der Impffrage gilt bei einer akuten Gürtelrose: Je früher die antivirale Behandlung beginnt, desto besser. Sofort ärztliche Hilfe brauchen Sie bei:


  • Bläschen oder Schmerzen im Gesicht, besonders an Nase, Stirn, Augenlid oder am Auge

  • Bläschen im Ohr, Hörverlust, Schwindel oder einer halbseitigen Gesichtslähmung

  • starken Kopfschmerzen, Nackensteifigkeit, Verwirrtheit oder hohem Fieber

  • Ausschlag, der sich über mehrere Körperregionen ausbreitet

  • Gürtelrose bei bekannter Immunschwäche oder unter immunsuppressiver Therapie


Was der Totimpfstoff in Studien leistet

Der Impfstoff enthält kein vermehrungsfähiges Virus, sondern ein einzelnes Oberflächeneiweiß des Erregers, das Glykoprotein E, kombiniert mit dem Wirkverstärker AS01B. Dieser Wirkverstärker erklärt sowohl die gute Wirksamkeit als auch die kräftigen Impfreaktionen.


Die Zahlen aus den Zulassungsstudien sind für eine Impfung im höheren Lebensalter ungewöhnlich gut:


  • Bei Personen ab 50 Jahren lag die Wirksamkeit gegen Gürtelrose bei etwa 92 Prozent, gegen die Post-Zoster-Neuralgie bei etwa 82 Prozent.

  • In der Studie mit 16.596 Teilnehmenden ab 70 Jahren betrug die Wirksamkeit 91 Prozent gegen Gürtelrose und 89 Prozent gegen die Post-Zoster-Neuralgie. Der Schutz bricht im hohen Alter also nicht ein, was bei Impfstoffen sonst häufig der Fall ist.

  • Nach durchschnittlich 7,1 Jahren lag der Schutz weiterhin bei rund 91 Prozent. Das RKI sieht bei Immungesunden eine gute Wirksamkeit über mindestens zehn Jahre nach der Grundimmunisierung mit zwei Dosen.


Eine Auffrischung wird derzeit nicht empfohlen, weil Daten fehlen, die einen Zusatznutzen zeigen würden. Vollständig ist der Schutz nicht: Auch Geimpfte können erkranken, dann aber meist milder.


Der Nutzen gegen die Post-Zoster-Neuralgie ist dabei der Punkt, der die Entscheidung für viele trägt. Gegen den Ausschlag hilft eine früh begonnene antivirale Therapie ohnehin gut. Gegen den Nervenschmerz danach gibt es kein verlässliches Mittel, sobald er einmal da ist. Genau diese Komplikation trifft überproportional ältere Menschen, und genau dort greift die Impfung.


Womit Sie nach der Impfung rechnen sollten

Hier lohnt Offenheit, denn viele sind überrascht. Die Reaktionen fallen deutlich stärker aus als etwa bei der Grippeimpfung.


In den Zulassungsstudien traten auf: Schmerzen an der Einstichstelle bei 83 Prozent, Rötung bei 29 Prozent, Schwellung bei 15 Prozent. Systemisch berichteten 48 Prozent Müdigkeit, 41 Prozent Muskelschmerzen, 37 Prozent Kopfschmerzen und 17 Prozent Fieber. Die Beschwerden klingen typischerweise nach zwei bis drei Tagen ab.


Praktisch heißt das: Legen Sie den Termin nicht auf den Tag vor einer wichtigen Verpflichtung. Ein Freitagnachmittag mit freiem Wochenende danach ist die klügere Wahl. Und rechnen Sie bei der zweiten Dosis mit einer ähnlichen Reaktion, sie fällt bei vielen nicht schwächer aus.


Die Impfung darf zusammen mit einem Grippeimpfstoff, einem Tdap-Impfstoff mit reduziertem Antigengehalt oder einem mRNA-Impfstoff gegen COVID-19 verabreicht werden, dann an unterschiedlichen Injektionsstellen.


Wer nicht oder erst später geimpft werden sollte

Die Liste ist kurz, sollte aber im Gespräch geklärt werden.


  • Bekannte Allergie: Wer auf einen Bestandteil des Impfstoffs oder auf die erste Dosis allergisch reagiert hat, wird nicht weiter damit geimpft.

  • Akute Erkrankung mit Fieber: Der Termin wird verschoben, bis Sie wieder gesund sind. Ein leichter Schnupfen ist kein Hinderungsgrund.

  • Akute Gürtelrose: Erst impfen, wenn die Symptome vollständig abgeklungen sind, sinnvollerweise sechs bis zwölf Monate später.

  • Gerinnungsstörung oder Blutverdünnung: Die Impfung ist möglich, sollte aber mit einer feinen Nadel gesetzt und danach einige Minuten komprimiert werden.

  • Keine Windpocken durchgemacht: Wer nachweislich nicht gegen Varizellen immun ist, erhält zuerst die Windpockenimpfung, die Zoster-Impfung folgt mit Abstand.


Anders als beim früheren Lebendimpfstoff ist eine Immunschwäche hier kein Ausschlussgrund. Der Totimpfstoff kann auch während einer laufenden immunsuppressiven Therapie in stabilen Krankheitsphasen gegeben werden.


Warum der alte Lebendimpfstoff keine Rolle mehr spielt

Bis 2018 gab es in Deutschland nur einen abgeschwächten Lebendimpfstoff gegen Gürtelrose. Er hatte zwei Nachteile, die den Ausschlag gaben.


Erstens die Wirksamkeit: Im Vergleich erreichte der Lebendimpfstoff bei Menschen ab 60 Jahren rund 51 Prozent, bei Menschen ab 70 Jahren nur noch 37 Prozent. Der Totimpfstoff lag in denselben Altersgruppen bei 92 beziehungsweise 91 Prozent. Zweitens die Anwendbarkeit: Ein Lebendimpfstoff ist bei ausgeprägter Immunschwäche nicht einsetzbar, also genau bei der Gruppe mit dem höchsten Risiko.


Wer früher mit dem Lebendimpfstoff geimpft wurde, kann die Impfung mit dem Totimpfstoff nachholen. Empfohlen wird dabei ein Mindestabstand von zwei Monaten.


Häufige Fragen

Was passiert, wenn ich die zweite Dosis verpasse?


Die Impfserie muss nicht neu begonnen werden. Holen Sie die zweite Dosis so bald wie möglich nach, auch wenn seit der ersten mehr als sechs Monate vergangen sind.


Schützt die Impfung auch, wenn ich schon eine Gürtelrose hatte?


Ja, sie wird gerade dann empfohlen. Eine durchgemachte Erkrankung verhindert weitere Episoden nicht. Abstand halten: sechs bis zwölf Monate nach vollständigem Abklingen.


Kann ich durch die Impfung selbst Gürtelrose bekommen?


Nein. Der Impfstoff enthält kein vermehrungsfähiges Virus, sondern nur ein einzelnes Virusprotein. Was Sie spüren können, ist die Immunreaktion darauf.


Ich bin 55 und gesund. Sollte ich mich impfen lassen?


Die Standardempfehlung setzt in Deutschland bei 60 Jahren an, in der Schweiz bei 65. Zugelassen ist der Impfstoff ab 50. Ob eine frühere Impfung für Sie sinnvoll ist, hängt von Grunderkrankungen und Therapien ab und gehört ins ärztliche Gespräch.


Sie überlegen, ob die Impfung für Ihre Situation passt, oder wollen Erfahrungen anderer zur Verträglichkeit lesen? Im Forum von beemy läuft der Austausch dazu.


Quellen


Dieser Artikel informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche Diagnose oder Behandlung. Bei akuten Beschwerden wenden Sie sich an eine Arztpraxis oder den Notdienst. Illustration: mit KI generiert.

 
 
 

Kommentare


bottom of page